Live-OP: Augmentation mittels Schalentechnik
Dreidimensionale Kieferkammrekonstruktion mit der Split-Bone-Block-Technik im ästhetischen Oberkiefer-Frontzahnbereich – 6‑Jahres-Verlauf bei einer LKG-Spaltpatientin
Kongress-Vorschau: Live-Operation von Prof. Dr. Fouad Khoury, 40. DGI-Kongress 2026
Elias Jean-Jacques Khoury, Tristan Hampe, Fouad Khoury
Anlässlich des 40. DGI-Kongresses (26. bis 28. November 2026, CCH Hamburg) demonstriert Prof. Dr. Fouad Khoury die Schalentechnik (Split-Bone-Block-Technik) in einer Live-Operation, die von Prof. Dr. Dr. Eik Schiegnitz moderiert wird. Der vorliegende Beitrag stellt vorab einen ähnlichen Fall mit einem Nachbeobachtungszeitraum von sechs Jahren dar und ordnet das Verfahren in den gegenwärtigen Kenntnisstand ein.
Einleitung
Der ästhetische Langzeiterfolg dentaler Implantate in der ästhetischen Zone des Oberkiefers ist unmittelbar an eine anatomisch korrekte, prothetisch orientierte dreidimensionale Implantatposition gebunden. Bei ausgedehnter Atrophie des Alveolarfortsatzes ist daher eine Augmentation vor der Implantation erforderlich, um ein ausreichendes ortsständiges Knochenlager zur Implantation und Stützung des periimplantären Weichgewebes zu schaffen.1 Neben einem adäquaten Kieferkammvolumen gelten eine rasche Revaskularisierung und Integration des Transplantats als Voraussetzung für die Osseointegration sowie für eine langfristig stabile Hart- und Weichgewebssituation.2,3
Während für die horizontale Augmentation etablierte und vorhersagbare Verfahren zur Verfügung stehen, stellt die kombinierte horizontal-vertikale, dreidimensionale Rekonstruktion des Alveolarfortsatzes weiterhin eine der anspruchsvollsten Indikationen der oralen Implantologie dar.2,4,5 Die gesteuerte Knochenregeneration unter Verwendung nicht resorbierbarer Membranen oder Titangitter ist für diese Indikation beschrieben, jedoch mit einem erhöhten Risiko für Wunddehiszenzen und Infektionen assoziiert, das den regenerativen Erfolg kompromittieren kann.5,6,7
Autogener Knochen gilt aufgrund seiner osteokonduktiven, osteogenen und osteoinduktiven Eigenschaften nach wie vor als Goldstandard der dreidimensionalen Rekonstruktion.2,8,9,10 Die intraorale Entnahme autogener Transplantate stellt ein vorhersagbares und komplikationsarmes Verfahren dar.2,11 Während vollschichtige kortikale Knochenblocktransplantate bei unzureichender Revaskularisierung einer progredienten Resorption unterliegen2,10, bietet die Split-Bone-Block-Technik (SBB, Syn.: Schalentechnik) diesbezüglich erhebliche Vorteile. Dadurch wird u.a. die Oberfläche des Transplantats vergrößert, wodurch eine schnellere Revaskularisierung und Osseointegration ermöglicht wird.2,12 Ergänzende Weichgewebemaßnahmen ermöglichen eine dreidimensionale Rekonturierung des periimplantären Gewebes.13
Falldarstellung
Ausgangssituation und Diagnostik
Eine junge Patientin mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte wurde mit einem ausgedehnten dreidimensionalen Knochendefekt in regio 21/22 vorstellig. Im Kindesalter wurde im Rahmen der Standardtherapie die Lippen- sowie Gaumenspalte verschlossen und die Kieferspalte mit Beckenspongiosa aufgebaut. Wie es in derartigen Fällen häufig zu beobachten ist, entwickelte sich im Zeitverlauf eine ausgeprägte Atrophie des augmentierten Areals mit Ausbildung eines ausgedehnten, ästhetisch kompromittierten Knochendefekts. Klinisch imponierte eine brückenprothetische Versorgung mit deutlich überkonturierten klinischen Kronen zur Kaschierung des Defekts (Abb. 1). Die radiologische Untersuchung bestätigte einen ausgedehnten dreidimensionalen ossären Defekt (Abb. 2), der klinisch von einem ausgeprägten Weichgewebsdefizit begleitet wurde.


Chirurgisches Vorgehen
Zunächst erfolgte eine Weichgewebsaugmentation mit Hilfe eines gestielten Bindegewebslappens von dem Gaumen, um die Qualität und Quantität des Weichgewebes zu verbessern. Zwei Monate später wurde die Knochenaugmentation in Lokalanästhesie und zusätzlicher intravenöser Sedierung durchgeführt.
Nach Darstellung des Defekts (Abb. 3) wurde ein Knochenblock aus der ipsilateralen Retromolarregion nach dem MicroSaw-Protokoll entnommen (Abb. 4) und mithilfe der MicroSaw (Dentsply Sirona, Bensheim) in zwei Hälften geteilt, wodurch zwei Knochenblöcke ähnlicher Fläche entstanden (Abb. 5). Die so gewonnenen Knochenschalen wurden anschließend mit einem Knochenschaber auf eine Dicke von einem Millimeter ausgedünnt, wobei eine erhebliche Menge autologer Knochenspäne gewonnen werden konnte. Die Schalen wurden mittels Mikroschrauben (Micro Screw, Meisinger, Neuss) bukkal und oral in regio 21/22 fixiert und bestimmten so die vertikale und horizontale Kontur des Augmentats (Abb. 6). Der dazwischenliegende Raum wurde mit reinen autogenen Knochenspänen aufgefüllt (Abb. 7).





Implantation und prothetische Versorgung
Nach einer Einheilzeit von drei Monaten zeigte sich ein suffizient regeneriertes Knochenlager, das die Insertion der Implantate in regio 21 und 22 erlaubte. Zur interpapillären Konturunterstützung erfolgte eine Nachaugmentation mit autogenem Knochen, der mittels Trepan während der Implantatbohrung gewonnen wurde (Abb. 8). Nach drei weiteren Monaten erfolgte die Freilegung der Implantate in Verbindung mit einer Weichgewebeaugmentation. Nach Ausformung des Emergenzprofils wurde die definitive prothetische Versorgung eingegliedert.

Ergebnis nach sechs Jahren
Nach einem Beobachtungszeitraum von sechs Jahren präsentierten sich stabile, entzündungsfreie und ästhetisch überzeugende periimplantäre Weichgewebsverhältnisse (Abb. 9). Radiologisch zeigten sich stabile periimplantäre Knochenverhältnisse ohne Anzeichen einer progredienten Resorption (Abb. 10).


Einordnung und Bezug zur Live-Operation
Der dokumentierte Verlauf verdeutlicht, dass auch ausgedehnte dreidimensionale Defekte mittels rein autogener Knochentransplantation und der Split-Bone-Block-Technik vorhersagbar rekonstruiert und langfristig stabilisiert werden können. Die zugrunde liegenden Prinzipien bilden zugleich die Grundlage der Live-Operation beim 40. DGI-Kongress in Hamburg: intraorale Knochenblockentnahme, Teilung des Blocks zur Blockvermehrung, Gewinnung von Knochenspänen durch Ausdünnung der geteilten Knochenblöcke zur Oberflächenvergrößerung und verbesserten Revaskularisierung, ein geschützter, mit autogenen Spänen aufgefüllter Regenerationsraum sowie ein abgestimmtes Weichgewebemanagement.
Literatur
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