Pro­thetik – ein­fach oder kom­pli­ziert?

Inter­view mit Prof. Dr. Markus Hür­zeler

 

Was macht den Wett­streit ver­schie­dener Kon­zepte bei Ihrem Thema im Augen­blick beson­ders span­nend?

Die Pati­enten wün­schen kos­ten­ef­fek­tiver pro­the­ti­sche Kon­zepte; ist der Zahn­arzt bereit dazu mehr zu inves­tieren damit er kos­ten­güns­ti­gere Pro­zesse am Pati­enten ein­setzen kann? Eigent­lich kann das keine Frage sein. Der Patient sollte immer im Zen­trum unseres Bestre­bens sein, des­halb müssen wir sicher­lich etwas umdenken. Ver­än­de­rungen von Kon­zepte in der täg­li­chen Praxis sind aber immer grosse Ent­schei­dungen im beruf­li­chen Leben eines Zahn­arztes. Der Gedanke ist immer der gleiche: „Warum soll ich etwas ver­än­dern? Es funk­tio­niert doch alles so gut?“ Des­halb ist diese The­matik momentan sehr kon­tro­vers.

Bei dem Wett­streit treten oft neue/jüngere Kon­zepte gegen ältere und eta­blierte Kon­zepte an. Haben die neueren Kon­zepte bei Ihrem Thema lang­fristig grund­sätz­lich bes­sere Chancen? Und wenn ja – warum?

Die neueren Kon­zepte (okklusal ver­schraubt; keine Ver­wen­dung von CAD/CAM abut­ments) gab es zu Beginn der Implan­to­logie vor 30 Jahren schon. Sie wurden wieder neu ent­deckt. Sie ver­langen aber eine per­fekte drei­di­men­sio­nale Posi­tion des Implan­tates. Der Auf­wand dies zu errei­chen ist sicher­lich grösser. Diese Kon­zepte wurden nicht umsonst wieder neu ent­deckt. Sie haben sehr grosses Poten­tial. Sie erlauben es in der Nach­sorge Pro­bleme bei Implantat-Sup­ra­struk­turen ein­fa­cher zu lösen. Da die pro­the­ti­schen Arbeiten auf Implan­taten ganz ein­fach run­ter­ge­nommen werden können. Weiter wird bei diesem Vor­gehen gänz­lich auf eine Zemen­tie­rung ver­zichtet. Wir wissen heute, dass ein hoher Pro­zent­satz an peri­im­plan­tären Erkran­kungen bedingt sind durch Zemen­treste. Des­halb ist es bio­lo­gisch ziem­lich klar, dass wir auf Zemen­tie­rungen ver­zichten sollten.

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