Kon­gress­themen im Fokus: Nach­ge­fragt bei Prof. Dr. Peter Ram­mels­berg

Prof. Dr. Peter Ram­mels­berg hält den Eröff­nungs­vor­trag in der ersten Ple­nar­sit­zung zum Thema „Implan­tat­pro­thetik – Kie­fer­ge­lenk“

 

Warum ist dieses Thema für implan­to­lo­gisch tätige Zahn­ärz­tinnen und Zahn­ärzte grund­sätz­lich wichtig?

Zahn­ärzt­liche Implan­tate haben fast zu 100 Pro­zent einen rein pro­the­ti­schen Zweck. Ein unmit­tel­barer Zusam­men­hang zwi­schen Implan­taten und der Pro­thetik einer­seits und dem Kie­fer­ge­lenk ande­rer­seits ist jedoch häufig nicht gegeben. Auch wenn sich viele Implan­to­logen dieser eher mit­tel­baren Zusam­men­hänge nicht immer bewusst sind, so spielen sie bei der Pla­nung und Indi­ka­ti­ons­stel­lung eine ent­schei­dende Rolle. Durch Implan­tate werden die Kau­kräfte maß­geb­lich ver­än­dert; durch die okklu­sale Gestal­tung und die Mate­ri­al­aus­wahl für die Sup­ra­struk­turen wird die Belas­tung der Kie­fer­ge­lenke beein­flusst.

Gibt es Bereiche Ihres Themas, die zur­zeit beson­ders intensiv dis­ku­tiert werden – und wenn ja, warum?

Über­le­gungen zu den Effekten Implantat gestützter Ver­sor­gungen auf die Kie­fer­ge­lenk­funk­tion spielen bisher eine unter­ge­ord­nete Rolle. Auch die wis­sen­schaft­liche Evi­denz ist nicht sehr aus­ge­prägt, da funk­tio­nelle Erkran­kungen bis vor wenigen Jahren als Kon­tra­in­di­ka­tion für Implan­tate betrachtet wurden. Bei Bru­xismus wurde eine Über­las­tung der Implan­tate befürchtet, bei chro­ni­schen Kiefer-/Ge­sichts­schmerzen wurde befürchtet, dass die Implan­tate auch zur Ver­schlech­te­rung der Beschwerden bei­tragen können. Vor diesem Hin­ter­grund halte ich das Thema für einen mutigen Auf­takt der Kon­gress­or­ga­ni­sa­toren, der dazu bei­tragen kann, Inter­esse für funk­tio­nelle Zusam­men­hänge zu wecken und lang­fristig die wis­sen­schaft­li­chen Grund­lagen zu ver­bes­sern.

Wo sehen Sie die Ver­knüp­fung Ihres Vor­trags zum Kon­gress­thema?

Zum Haupt­thema „Implan­to­logie für alle“ passt der Vor­trag, da sich tra­di­tio­nelle meist pro­phy­lak­ti­sche Indi­ka­ti­ons­ein­schrän­kungen durch Abwä­gung der funk­tio­nellen Vor­teile redu­zieren lassen.

X
X