Mehr Frei­heit bedeutet mehr Ver­ant­wor­tung

Im Gespräch: Kon­gress­prä­si­dent Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz

 

Sie haben für das Kon­gress-Motto eine Frage gewählt: Implan­to­logie für Alle? Welche Ant­worten wird es darauf beim Kon­gress geben?

Wir erleben gerade in der Implan­to­logie einen Wandel: Erkran­kungen oder andere The­ra­pien, bei denen wir noch vor wenigen Jahren von Implan­taten zumeist abrieten, sind heute keine abso­luten Kon­tra­in­di­ka­tionen mehr. Das ist die gute Nach­richt. Doch ange­sichts der Fort­schritte in der Medizin, werden wir zuneh­mend Men­schen behan­deln, bei denen Risi­ko­fak­toren beachtet und abge­wogen werden müssen. Dies betrifft etwa ein Drittel der Pati­enten, bei denen implan­tat­ge­tra­gener Zahn­ersatz prin­zi­piell mög­lich wäre. Wir müssen darum die Implantat­the­rapie per­so­na­li­sieren und sie an die indi­vi­du­ellen gesund­heit­li­chen Gege­ben­heiten eines Pati­enten anpassen.

Wie schlägt sich das kon­kret im Pro­gramm nieder?

Im Pro­gramm haben wir natür­lich die klas­si­schen Themen unseres Faches abge­bildet, wobei kom­pro­mit­tierte Pati­enten und Risi­ko­pa­ti­enten im Fokus stehen. Dar­über hinaus werden wir das Thema Ästhetik auf­greifen, mit Hin­blick auf Pati­enten die auf­grund der Sicht­bar­keit ihrer Restau­ra­tion eine ganz beson­dere Zuwen­dung benö­tigen. Ein wei­terer Schwer­punkt ist das Thema Alters­zahn­heil­kunde. Es steht unter den Schlag­worten „zahnlos – Demenz – Heim“. Es geht hier nicht um die krank­heits­be­dingten, son­dern die alters­be­dingten Ver­än­de­rungen.

Gibt es in der Implan­to­logie über­haupt noch harte Kon­tra­in­di­ka­tion?

Es gibt immer wieder Fälle, bei denen man von einer Implan­ta­tion abraten muss. Wenn bei­spiels­weise eine Anti­re­sorp­tiva-asso­zi­ierte Kie­fer­ne­krose aus­ge­heilt ist und danach eine Indi­ka­tion bestünde, würde man sicher­lich nicht dort implan­tieren, wo die Kie­fer­ne­krose statt­ge­funden hat. Wir müssen in sol­chen Fällen mehr nach­denken. Wir können nicht mehr Frei­heit haben ohne mehr Ver­ant­wor­tung auf uns zu nehmen.  

Bei einem schlecht ein­ge­stellten Dia­be­tiker kann eine Nach­frage beim Inter­nisten hilf­reich sein. Wenn dieser erklärt, dass die Werte schlecht sind, weil der Patient sich an keine The­rapie-Emp­feh­lungen hält, dann ist diese Aus­sage für eine Implantat­the­rapie eine schwer­wie­gende Indi­ka­ti­ons­ein­schrän­kung.

Bei diesem Kon­gress geht es nicht nur im Implan­to­logie, son­dern auch um Kunst. Was ist da geplant?

Wir haben einen beson­deren Vor­trag ein­ge­plant, gehalten von Pro­fessor Schmel­zeisen aus Frei­burg mit dem Titel „Krieg – Implantat – Kunst“. Pro­fessor Schmel­zeisen ist neben seiner Tätig­keit als Lehr­stuhl­in­haber, MKG-Chirurg und Implan­to­loge näm­lich auch ein Künstler. Dies hat mich bewogen, ihn in dieser Dop­pel­funk­tion – als Arzt und als Künstler – mit ein­zu­binden und seine Luxart, seine Licht­kunst, im Rahmen des Kon­gresses zu prä­sen­tieren. Pro­fessor Schmel­zeisen schafft es natür­lich auf eine ganz unge­wöhn­liche Weise Medizin mit Kunst zu ver­binden.

Der Kon­gress findet im neuen Kon­gress­zen­trum in Wies­baden statt. Was ist daran beson­ders?

Unser Kon­gress wird der erste im neuen großen Kon­gress­zen­trum in Wies­baden sein, das an der­selben Stelle steht wie das alte, in bester Innen­stadt­lage im Herzen der Stadt. Den­noch ist es vom Flug­hafen Frank­furt aus nicht weiter ent­fernt als die Frank­furter Innen­stadt und es liegt fuß­läufig ent­fernt vom Wies­ba­dener Haupt­bahnhof. Wer mit dem Auto kommt, findet unter dem Kon­gress­zen­trum eine Tief­ga­rage mit 800 Plätzen. Mit seinem modernen Design und den tech­ni­schen Mög­lich­keiten, bietet das Zen­trum alles, was wir brau­chen.

Warum sollte man diesen Kon­gress nicht ver­säumen?

Natür­lich gibt es bei jedem Kon­gress Neu­ig­keiten, neue wis­sen­schaft­liche Erkennt­nisse, neue Leit­li­nien, neue Hand­lungs­emp­feh­lungen.  Aber die geballte Viel­falt an Neue­rungen, die wir selbst als wis­sen­schaft­liche Hin­ter­le­gung erar­beitet haben sowie die Neu­ig­keiten, die es durch die zuneh­mend inten­siver wer­dende Ver­netzt­heit unseres Faches mit anderen Fächern gibt, ist sicher­lich eine gute Moti­va­tion, nach Wies­baden zu kommen.

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